Januar 2025
Liebe Leserinnen und Leser!
Zuerst möchte ich Ihnen als neuer Pfarrer in Kodersdorf ein gutes und gesegnetes Neues Jahr wünschen. Eigentlich kennen wir uns ja schon lange. Seit über 25 Jahren bin ich Ihr Nachbar in Horka. Es gab viele Begegnungen durch die gemeinsamen Ausflüge am Ostermontag, die gemeinsamen Gottesdienste am Reformationstag oder durch wechselseitige Vertretungen mit Pfarrer Salewski. Nun bin ich gespannt, Sie in Kodersdorf, Rengersdorf, Särichen, Torga und Wiesa näher kennen zu lernen.
Mein Wunsch ist, dass wir eine wirklich enge Zusammenarbeit zwischen den Kirchengemeinden Kodersdorf und Horka entwickeln. Unsere Gemeinden werden leider überall kleiner, nicht nur in Kodersdorf und Horka. Dagegen hilft nach meiner Ansicht, die weniger werdenden Kräfte und Mittel zu bündeln, zusammen zu arbeiten und gemeinsam den Glauben zu leben.
Vielleicht hilft uns ja die Jahreslosung 2025 in diesem Prozess. In diesem Bibelwort heißt es: „Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1.Thess. 5,21) Nun ist das in unserer freiheitlichen Gesellschaft ja durchaus üblich, dass man sich das auswählt, was einem gut erscheint. Den Rest lässt man geflissentlich links liegen. Aber wo bleibt das, was Einigkeit und Gemeinschaft bringt? Wie kommen wir bei der anstehenden Bundestagswahl zu einer Regierung, die eine Mehrheit repräsentiert? Wie finden wir zu einem Klima des Miteinanders? Es gibt so viele Gruppen, die jede für sich eigene Interessen und Ziele verfolgen. Das war zur Zeit des Paulus ähnlich. Es gab verschiedene philosophische Denkschulen, die meist auch mit einem eigenen religiösen Leben verbunden waren. In Thessalonich, damals die Hauptstadt von Mazedonien, trafen diese Denkschulen mit ihren religiösen Praktiken aufeinander. Sofort gab es Streit, wer hat recht. Nicht umsonst schreibt Paulus: „Prüft alles!“ Ihr sollt in der Gemeinschaft alles miteinander auf den Prüfstand stellen! Auf keinen Fall jeder für sich! Allein wird das nichts. Miteinander sollen wir Christen alles am Maßstab der biblischen Botschaft prüfen. „Behaltet das Gute!“, mahnt Paulus. Auch hier benutzt er wieder den Plural.
Manche Sprachwissenschaftler meinen, dass die Worte Gott und gut auf eine ältere gleiche Wortwurzel zurückgehen. Gott steht für das Gute und das Gute erwächst aus Gott. Wenn wir das Gute behalten, dann halten wir an dem fest, was Gott gefällt. Machen wir uns gemeinsam auf den Weg durch das Jahr 2025. Prüfen wir gemeinsam, welche Gedanken und Wahlversprechen uns begegnen.
Möge unser Gott uns bei allem, was wir planen und durchführen, mit seinem Geist begleiten, damit aus der Kirchengemeinde Frieden und die Freundlichkeit Gottes ausstrahlen.
Ihr Pfarrer Ulf Schwäbe
Februar 2025
Liebe Leserinnen und Leser!
Die Verkehrsdurchsage im Autoradio verheißt nichts Gutes: 9 km Stau auf der Autobahn vor mir – zum Glück gibt es noch zwei Abfahrten, bevor der Stau beginnt. Das Navi zeigt mir eine Ausweichroute an und ich lasse mich von der Autobahn herunter lotsen. Mit „Stop and Go“ geht es über Nebenstraßen; immer wieder stecke ich im Stau fest. Die Straße hoffnungslos überlastet. So langsam kommen mir Zweifel. Warum nur bin ich von meiner ursprünglich geplanten Strecke abgewichen?
Schlussendlich fahre ich nach mindestens 25 km Umweg und viel Zeitverlust wieder auf die Autobahn auf und erreiche mein Ziel – viel zu spät natürlich! Dabei hatte ich reichlich Zeitreserven eingeplant. Aber immerhin: Ich bin angekommen.
Bei dieser Begebenheit lassen sich für mich Parallelen ziehen zum Monatsspruch. In Psalm 16,11 können wir lesen: „Du tust mir kund den Weg zum Leben.“ Von David, dem König von Israel, stammen diese Worte. Aus ihnen spricht eine große Lebenserfahrung.
Davids Weg zum mächtigen Anführer seines Volkes war nicht einfach und verlief auch nicht schnurgerade. Als der Prophet Samuel im Auftrag Gottes einen Nachfolger für Saul salben sollte, wurde er in das Haus Isais geschickt. Doch keiner der anwesenden Söhne sollte es sein! Der Kleinste, der draußen auf den Weiden die Schafe hütete, wurde herbeigeholt. Und Samuel vernahm deutlich Gottes Stimme: „Dieser ist es!“ Oder erinnern wir uns an den ungleichen Kampf „David gegen Goliath“. Ein Stein aus der Steinschleuder Davids streckte den riesigen Kämpfer Goliath aus dem Heer der Philister nieder und Israel siegte. Ja, hier ging der Weg aufwärts zum Erfolg.
Doch David zweigte auch vom Weg ab. Er ließ sich mit der Frau eines anderen ein und sorgte anschließend dafür, dass ihr Mann an vorderster Front kämpfen musste und getötet wurde. Nachdem der Prophet Nathan ihm in einem Gleichnis seine Schuld vor Augen geführt hatte, bereute er, was er getan hatte und Gott vergab ihm diese Schuld. Später zettelte sein eigener Sohn einen Aufstand an und er musste um sein Leben fürchten.
Und doch stellte David – allen Irrungen und Wirrungen seines Lebens zum Trotz – fest, dass Gottes Weg mit ihm der Weg zum Leben war. Ja, dass dieser Weg ein guter Weg war.
Auch unser Lebensweg ist nicht immer gerade und frei. Da gibt es Baustellen und Staus, Zeiten, in denen wir fast vom Weg abkommen. Da fällt es uns schwer, zu glauben und Gott zu vertrauen. Wir erfahren Widerstand, wenn wir unseren Lebensstil am Wort Gottes ausrichten. Abzweigen wäre jetzt einfach verlockend! Doch wäre es auch besser?
Hier kann uns die Lebensgeschichte Davids Mut machen, auf dem Weg mit Gott zu bleiben. Dieser Weg führt zu einem erfüllten Leben. So hat es David erfahren.
Ich möchte diese Herausforderung annehmen, mich auf meinem Weg nicht von Baustellen und Staus abbringen lassen und immer wieder fragen: „Was ist dein Weg für mich, Jesus?“ Und dann diesen Weg gehen, egal was andere um mich herum sagen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich auch dieser Herausforderung stellen und wir am Ende unseres Lebens gemeinsam mit David sagen können: „Du eröffnest mir den Weg des Lebens. Unsagbare Freude in deiner Gegenwart, Wunderbares hältst du für immer in deiner rechten Hand bereit.“ (Psalm 16,11 nach der Übertragung „Das Buch“)
Angelika Mischinger
März 2025
Liebe Leserinnen und Leser!
Der Zustrom von Flüchtlingen nach Europa und in unser Land ist ein Thema, das seit Jahren heftig diskutiert wird. Verständlicherweise wird immer stärker auf eine Lösung gedrängt, je länger das Problem besteht. In dem gerade zurückliegenden Wahlkampf war das Thema „Migration“ eine zentrale Frage.
In der Bibel können wir immer wieder lesen, dass Gott sich auf die Seite der Schwachen stellt. Ausdrücklich werden mittellose Witwen, Waisen und Fremdlinge als Schwache genannt. Der Monatsspruch für den März argumentiert in diesem Sinn: „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken!“ (3. Mose 19,33) Dahinter steht die Erfahrung der Israeliten, dass sie selbst jahrzehntelang in der Sklaverei in Ägypten leben mussten. Im kollektiven Bewusstsein gibt es eine Erinnerung daran, wie es sich als Fremdling lebt, der der Unterdrückung der Einheimischen ausgeliefert ist.
Auch unter uns sind solche Erinnerungen lebendig. Manche der heimatvertriebenen Schlesier, die hier auf der Westseite der Neiße gestrandet sind, erzählen davon, dass sie sich hier zunächst gar nicht willkommen fühlten. Ablehnung schlug ihnen entgegen. Viele, die nach 1989 wegen der Arbeit in die alten Bundesländer gingen, berichten, dass es sehr mühsam war, Fuß zu fassen. Die Abneigung der Einheimischen war deutlich zu spüren. Das ist eine sehr unangenehme Erfahrung.
Ein Gegengewicht setzt bspw. der Weltgebetstag. Er wird weltweit am ersten Freitag im März gefeiert. In über 180 Ländern der Welt laden Frauen an vielen Orten ein, einen vorbereiteten Gottesdienst aus dem „Gastgeberland“ zu feiern. Dieser Gottesdienst zieht in einem Tag rund um die Welt. Eine großartige Idee, die Menschen auf der ganzen Welt miteinander im Gebet verbindet. Wie schön ist das, Teil einer weltweiten christlichen Gemeinschaft zu sein. Alle, die diesen Gottesdienst feiern, nehmen die Gedanken und Sichtweisen aus dem „Gastgeberland“ auf. Dabei begegnet uns oft Neues, eine andere Perspektive. Wir teilen miteinander die Freuden und die Sorgen. Das bereichert alle.
In diesem Jahr feiern die Kirchengemeinden Kodersdorf und Horka gemeinsam den Weltgebetstag, der für das Jahr 2025 von den Cook-Inseln im Südpazifik kommt. Sie sind am Freitag, dem 7. März 2025, nach Horka in das Vereinshaus des Seniorenvereins Horka herzlich eingeladen. Um 19.00 Uhr beginnt der Gottesdienst, in dem wir auch das Land vorgestellt bekommen und in die Musik von den Cook-Inseln eintauchen. Nach dem Gottesdienst sind Sie zum gemütlichen Beisammensein mit Kostproben aus der südpazifischen Küche eingeladen. Das ökumenische Vorbereitungsteam freut sich auf Besucherinnen und Besucher aus den Kirchengemeinden Kodersdorf und Horka.
Mit herzlichen Segenswünschen grüßt Sie
Ihr Pfarrer Ulf Schwäbe
April 2025
Liebe Leserinnen und Leser!
„Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ So grüßen sich Christen am Ostermorgen auf der ganzen Welt und rufen sich diese wunderbare Botschaft zu.
Als die Frauen in der biblischen Erzählung am Ostermorgen das Grab leer vorfanden, haben sie es sofort den Jüngern erzählt. Die konnten es nicht glauben und hielten es für – so wörtlich – „Geschwätz“. Petrus rannte los und überzeugte sich selbst und wunderte sich.
Am gleichen Tag sind zwei der Nachfolger Jesu unterwegs in das Dorf Emmaus, vertieft in ein Gespräch über das unfassbare Geschehen: Kreuzigung und Tod Jesu – und dann die Geschichte von der Auferstehung, die von den Frauen erzählt worden ist. Als sich ein Unbekannter zu ihnen gesellt und sie nach dem fragt, was sie so sehr beschäftigt, schütten sie ihm ihr Herz aus. Er erklärt ihnen das Geschehen, sie hören ihm zu. Bei ihrer Ankunft am Ziel wird es bereits Abend und sie bitten den Fremden, bei ihnen zu bleiben. Sie essen gemeinsam – und als der Fremde das Brot bricht, fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen und sie erkennen Jesus. Doch dieser verschwindet vor ihren Augen.
„Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete?“ Diese Frage stellen sich die beiden Jünger. Da ist etwas passiert in der Begegnung mit Jesus – ihre Herzen, die verstört und ausgebrannt waren, werden plötzlich wieder lebendig. Das Feuer, das erloschen war, ist in der Begegnung mit dem Auferstandenen wieder entfacht worden.
Die Emmaus-Geschichte macht uns Mut, auch unsere Herzen neu entfachen zu lassen durch die Begegnung mit Jesus. Wir dürfen ihm unser Herz ausschütten und von ihm erwarten, dass er uns in seinem Wort begegnet; sei es im Lesen der Bibel oder durch eine Predigt, im Gespräch mit anderen…
Und eine solche Begegnung wird nicht ohne Folgen bleiben. Die beiden Jünger damals sind sofort aufgestanden und nach Jerusalem zurückgeeilt, obwohl es bereits Abend war. Sie mussten das, was sie erlebt hatten, ihren Weggenossen berichten.
Brennen unsere Herzen noch für Jesus? Wenn nicht, dann ist es Zeit, die Glut wieder neu entfachen zu lassen, damit wir wie die Jünger damals die Botschaft von Jesu Auferstehung fröhlich weitertragen können.
Ich wünsche uns ganz neu „brennende Herzen“.
Angelika Mischinger